Längeres gemeinsames Lernen von Klasse 1 bis 13

Monikas Rede zur Auflösung der Haupt- und Werkrealschule am Standort Tunibergschule
Monika Stein

Herr Oberbürgermeister, meine Damen und Herren,

wieder einmal soll der Gemeinderat die Auflösung einer Haupt- bzw Werkrealschule bzw. eines Schulzweiges einer Schule beschließen.
Soll, weil die Landesgesetzgebung dies vorsieht – hat doch die Grund- und Hauptschule am Tuniberg bereits 2 Jahre in Folge nicht genügend SchülerInnen für eine 5. Klasse zusammenbekommen.
Wir wollen und können an dieser Stelle nicht zustimmen. Wir wollen nicht zustimmen, obwohl der Oberbürgermeister in diversen Gremien nicht müde wurde, darauf hinzuweisen, dass die Landesgesetzgebung uns keine andere Möglichkeit lässt und wir uns hierbei nur um eine schmerzliche Entscheidung drücken würden. Heute haben Sie, Herr  Oberbürgermeister erfreulicherweise anders Stellung bezogen – diese Worte werden hoffentlich in Stuttgart gehört.
Wir wollen aber nicht zustimmen, weil wir die Landesgesetzgebung an dieser Stelle schlicht falsch finden. Aus Sicht des Landes ist eine Schule nicht zukunftsfähig, die mehr als ein Jahr nicht genügend SchülerInnen für eine 5. Klasse zusammenbekommen hat.

Die Eltern am Tuniberg haben sich in ihrer übwiegenden Zahl in den letzten Jahren dafür entschieden, ihre Kinder ab Klasse 5 nicht in die Schule am Tuniberg zu geben. Dies hat zu der Entscheidung geführt, die wir heute hier nicht treffen wollen.
In unseren Augen ist falsch, jetzt eine weitere Haupt – und Werkrealschule in Freiburg zu schließen, weil die aufnehmenden Schulen – in Freiburg in der ganz großen Mehrheit Gymnasien – mit den SchülerInnen, die zu ihnen kommen, nicht immer glücklich werden – und die SchülerInnen auch nicht immer mit der gewählten Schule.

Also werden - Herr Schüle und Herr Schillinger haben auch schon darauf hingewiesen - im Laufe der steigenden Schuljahre immer mehr SchülerInnen von einem Gymnasium auf eine Realschule versetzt. Die Realschulen sind aber schon rappelvoll, weil sie ab den 5. Klassen auch sehr gefragt sind und haben ihrerseits mit SchülerInnen zu kämpfen, die bei ihnen nicht glücklich sind und umgekehrt. Dafür, dass diese SchülerInnen eine für sie passende Haupt- bzw Werkrealschule finden, gab es vor ein paar Jahren noch sieben Schulen in Freiburg, jetzt sind es nur noch zwei.
Weiter brauche ich hier über die vielen Jugendlichen, die davon betroffen sind, glaube ich, nicht zu sprechen, obwohl diese Jugendlichen auf keinen Fall aus unserm Blick geraten dürfen.
Was wir brauchen, sind Schulen, in denen Kinder und Jugendliche möglichst lange in entspannter Atmosphäre lernen können. Schulen, auf denen kein Name steht, vor dem Eltern sich gruseln, weil ihnen seit Jahren immer wieder vermittelt wird, dass ihr Kind keine guten Chancen habe, wenn es auf eine solche Schule geht. Welche Chancen Kinder oder Jugendliche nach dem Besuch ihrer jeweiligen Schule haben, können ehemalige SchülerInnen am besten erzählen – da lohnt sich die Kontaktaufnahme!

Wir brauchen Schulen, die Kinder und Jugendliche in ihrer jeweiligen Einzigartigkeit aufnehmen, fördern, unterstützen und auf dem Weg ins Leben gerne begleiten.
Über das Etikett, das diese Schulen tragen, gibt es verschiedene Auffassungen.
Es gibt aber jede Menge SchülerInnen - auch in Freiburg - die nicht von Anfang an eine Schule besuchen konnten oder wollten, auf der sie sich so wohl fühlen konnten und sich in ihrer Entwicklung optimal unterstützt gefühlt haben.
In Freiburg gibt es viele Menschen, die sich Gedanken machen, wie die nächste weiterführende Schule, die in wenigen Jahren zu gründen sein wird, gestaltet werden sollte. Wir werden vermutlich nicht nur eine weiterführende Schule mehr brauchen, als wir jetzt haben – und das ist wunderbar so. Bis diese Schule oder Schulen eröffnet werden, können sich alle Beteiligten in Freiburg einbringen, Konzeptionen zu entwickeln und zu hoffen, dass sie Mehrheiten für ihr jeweiliges Konzept bekommen können.
Wir von JPG wären sehr erfreut, wenn sich mindestens eine Schule für längeres gemeinsames Lernen von Klasse 1 bis 13 darunter befinden würde.

Die weiterführenden Schulen, die wir jetzt noch in Freiburg haben, sollten wir nicht durch Schließungsdebatten verunsichern, sondern sie stattdessen dabei unterstützen, sich auf dem Weg der Schulentwicklung zu bewegen – und zwar so, dass alle Kinder und Jugendlichen, die an diese Schule kommen, dort ein Lern-Zuhause finden können. Dafür haben wir das Regionale Bildungsbüro, das Amt für Schule und Bildung – und von Landesseite das Schulamt. Ihnen wünschen wir von dieser Stelle eine glückliche Hand bei der Unterstützung der Schulen.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.